
Politiker Joachim Herrmann kämpft mit bayrischen Bandagen und Null Eigenerfahrung für das Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Killerspielen. Dabei vergisst er leider seine Eigenverantwortung und dass die Gewalt in Computerspielen bereits von der USK und der BPjM überwacht wird. So sehen das auch Fachgremien des Bundesrates. Die Gewalt in Romanen kontrolliert jedoch keiner.
“Er hält ihm die Waffe an den Kopf und drückt ab. Dreimal. Ohne zu zögern. Blut spritzt ihm ins Gesicht und er erschrickt keine Sekunde. Er ist das Töten gewöhnt.”
Ungefähr so sieht Gewalt in einem Roman aus. Die allgemeine Meinung ist, Computerspiele seien viel intensiver als Filme oder Text. Ich sage: Intensiver als die eigene Vorstellungskraft, die sich die Kameraperspektive beim obigen Text selbst aussucht, ist nichts.
Du hast doch keine Ahnung!

Von Medienstellen der ganzen Welt wird das Konsolenspiel Grand Theft Auto IV heftigst gefeiert. Die Sueddeutsche Zeitung etwa bezeichnet GTA 4 “als Musterbeispiel für die neue Welt des Entertainment” und trotzdem fordert dieser Schwachmat Politiker, der keine Ahnung von Spielen hat, eine Indizierung auf der Basis von: “Mir wurde eine Szene gezeigt”. Man stelle sich vor: Der hat noch nie ein Erwachsenenspiel gespielt, sondern sich eine Szene zeigen lassen und will mitreden.
Haben Sie schon mal einen James Bond Film gesehen, Herr Herrmann? Was da an Gewalt abgeht, ist nicht normal. Und die Kommentare zu jedem seiner Opfer ebensowenig. Sie sagen, Spieler von Erwachsenenspielen werden belohnt für das Töten von Leuten? Und Sie? Belohnen Sie etwa nicht die Sprüche in manchen Actionfilmen mit einem Lächeln?
Willst du Wählerstimmen oder bist du so katholisch?
Amen. Das heißt So sei es. Wenn der Papst A sagt, müssen alle A machen. Machen Sie alles, was der Papst sagt? Dann befragen Sie ihn doch mal zum Thema Computerspiele. Vielleicht stimmt er Ihnen zu oder er sieht es wie der deutsche Kulturrat als einen “schlechten Running Gag in Wahlkampfzeiten.” Begünstigt durch angebliche Gewaltspiele wie GTA 4 sitzt mittlerweile auch der Bundesverband der Entwickler von Computer- und Videospielen (GAME) im deutschen Kulturrat. Computerspiele sind damit offiziell Kulturgut, Herr Herrmann.
Politik ist für Herrn Herrmann laut eigener Aussage “das Bohren dicker Bretter”. Als Dünnbrettbohrer kann man ihn also nicht bezeichnen. Aber sicher ist, dass er große Löcher bohrt, mit dem was er sagt. Er bohrt große Löcher in jeden der Erwachsenenspiele spielt, indem er das Spielen von Killerspielen mit Kinderpornographie (und Nationalsozialismus) gleichsetzt.
Der Spieler gleicht somit einem Pädophilen (oder Nazi)? Sie haben einen absoluten Schuss!!
Du kannst nicht erziehen, aber lügen
Was muss ein Politiker können? Lügen! Auf seiner Homepage bewundert Joachim Herrmann, wie gut das bei seinem Sohn funktioniert:
Welche Persönlichkeit bewundern Sie und warum?
“Meinen Sohn Jakob, weil er selbst nach den größten Dummheiten noch eine fast überzeugende Ausrede findet.”
Große Dummheit ist das perfekte Stichwort für die Leute, die bei Vorfällen immer den Computerspielen die Schuld geben. Eltern kaufen ihren Kindern Spiele, damit sie sie für ein paar Stunden los sind. Wenn dann etwas passiert, wie das verprügeln eines Klassenkameraden auf dem Schulhof, sind die Gewaltspiele Schuld. Dabei zeigen viele Studien, dass eben das nicht der Fall ist. Spieleentwickler Michal Madej findet dazu die richtigen Worte:
“Menschen neigen dazu, Dingen die Schuld zu geben, die Sie nicht verstehen. Anstatt die wirklichen Probleme zu lösen, ziehen Sie es vor, irgendjemandem oder irgendetwas zu beschuldigen. Das ist viel einfacher und gleichzeitig der Ursprung von Rassismus, Nationalismus und anderen Formen der Intoleranz. Eltern, Lehrer, Politiker – sie alle wollen keine Verantwortung für Kinder und Jugendliche übernehmen. Stattdessen geben sie Computerspielen die Schuld – Computerspielen, die sie nicht verstehen. [...] Die Zensur wurde für faule Leute erfunden, die denken, das Fernsehen, Spiele und die Medien ihre Kinder erziehen. Nein! Es ist deren Aufgabe, ihre Kinder zu erziehen – Zeit mit ihnen zu verbringen, Bücher mit ihnen zu lesen und vor allem Videospiele mit ihnen zu spielen!”
Kanalisiere deine Wut
Es ist nicht alles immer eitel Sonnenschein. Vor allem nicht in Bayern während des Wahlkampfes. Und irgendwie muss man manchmal seiner Wut Ausdruck geben, um nicht zu explodieren. Wenn es dann trotzdem zum Ausbruch kommt, dann meist in Form von Gewalt (oder im Schreiben eines Artikels). Warum soll man sich also nicht an einem Spiel abreagieren. Etwa lieber an der echten Welt?Gewalt scheint aber für Herrn Herrmann ein Tabu zu sein, auch wenn ihm bestimmt selber oft der Kragen platzt (allgemeine bayrische Mentalität). Wenn der Herrmannsche Vulkan ausbricht, dann vielleicht in einem Naschanfall oder mit dem Steicheln von rosa Häschen?
Der evangelische Pfarrer Thomas Hartmann (bitte nicht mit Herrmann verwechseln) vertritt in seinem Buch Warum Kindern ballern und sich prügeln müssen die krasse Gegenposition.
“Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst einer ungezügelten Zunahme von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen. Vorfälle wie der Amoklauf von Erfurt 2002 oder von Emsdetten 2006 scheinen diese Annahme zu bestätigen. Verantwortlich gemacht werden in erster Linie brutale Computersiele und Gewaltvideos. Dem widerspricht Thomas Hartmann. Nicht die Kinder und Jugendlichen sind das Problem, sondern wir. Anstatt sich mit der eigenen Gewaltbereitschaft auseinander zu setzen, wird jegliche Gewalt tabuisiert und auf die anderen abgeschoben, die kriminalisiert werden. Kinder brauchen aber spielerische Gewalt und das Ausleben ihrer Aggressionen. Hartmann fordert eine gesellschaftliche Diskussion über Gewalterziehung und zeigt, wie Aggressionen durch Sport und Spiel kanalisiert werden können – auch durch Computerspiele und Videos.”
Bitte lesen, Herr Herrmann.
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