Gedanken zu American History X und Bowling for Columbine
7 Jun

Die Filme “Bowling for Columbine” und “American History X” werfen eine Vielzahl von Fragen auf. Sie fragen nach der Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft, fragen uns welche Rolle wir zur Rassenfrage einnehmen, welche Vorurteile bereits in uns stecken. Sie antworten darauf, ob es möglich ist, sich aus diesen Dingen auszuklinken und dann als verantwortlicher Mensch zu gelten. Sie klären die Rolle der Medien und der Gesellschaft.
Viele Menschen sagten bei BFC, dass es wichtig und richtig sei selbst Verantwortung für die Dinge im eigenen Land zu übernehmen, für die Sicherheit der eigenen Familie da zu sein. Sie glauben nicht an die Regierung, glauben nicht an Frieden. Wahrscheinlich weil sie es nicht besser wissen oder enttäuscht worden sind. Dem schießwütigen “von meinem Grundstück runter oder ich schieße” Amerika steht das alle Türen auflassende Kanada gegenüber. Trotz Einbrüchen denkt man hier nicht darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn man weggeht, die Haustüre abzuschließen. Entweder man reagiert über alle Maßen oder gar nicht. Was ist hier los?
Dem traurigen Rekord von über 11000 Menschen, die jedes Jahr durch Schusswaffen getötet werden, steht eine sinkende Verbrechensrate gegenüber: Schießen die Amerikaner ab sofort einfach drauf los ? Ist die Polizei denn so unzuverlässig ? Die Leute denken, weil die Nachrichten nur mit Tragödien und Mord ausgefüllt werden, dass die Welt nur noch nach Blut schreit, suchen sich dann einen Schuldigen oder zumindest einen Grund dafür eine Waffe zu besitzen. Sie merken nicht, dass die Verbrechen der ganzen Welt in ihren Fernsehern flimmern, dass diese eine Berichterstattung seit 7 Wochen im Gange ist.
Zurück zur Rassenfrage: Für mich unverständlich ist es, dass ein Land, in dem offiziell jeder eine Chance bekommen soll, hinterfragt, wie unterschiedlich man untereinander ist, statt sich auf das Gemeinsame zu konzentrieren. Nach der deutschen Wiedervereinigung gab es diese Probleme mit West-Ost Deutschen auch. “Der kommt aus der Zone !” wurde immer wieder gerufen, als ob dies ein charakteristisches Merkmal wäre. Heute ist ein Deutscher deutsch, ein Russe russisch aber ein Amerikaner entweder ein Afro-, Italo-, usw. Amerikaner. Also ein Amerikaner zwar, aber ein Besonderer ! Wie man dieses Besondere definiert ist unterschiedlich. Es wird hier strikt getrennt.
Lassen Sie uns doch einfach mal eine Theorie aufstellen: Mir kommt es oft so vor, als wäre es besser, ein jeder Mensch würde für 2 Jahre eine eigene Insel zugeteilt bekommen. Der eine würde sich vielleicht etwas früher einsam fühlen, der andere etwas später. Nun bekommt jeder ab und an die Gelegenheit, dass ein Anderer auf die Insel kommt, um mit Gütern zu handeln. Schon bald würde sich herausstellen, dass keiner der beiden mit Betrug weiterkommen wird, da das Überleben des Einen vom Anderen abhängt. Der Eine braucht zu Essen, der Andere zu trinken. Handelt einer der beiden nicht, muss er mangels Essen bzw. Trinken sterben. Der Andere stirbt mit.
Das Überleben ist hier das Wichtige, nicht der Handelspartner oder gar seine Hautfarbe. Wir lassen uns einfach zu sehr von Vorurteilen oder schlechten Erfahrungen leiten. Wir glauben durch eine Schlägerei mit Ausländern die große Erleuchtung gefunden zu haben, dass alle Ausländer dieser Sorte genauso Handeln wie die Schläger. Dass sie uns wehtun wollen, dass sie uns hintenrum ausnutzen, dass sie unser Land besetzen und uns unsere Existenzgrundlage nehmen.
Es ist eine Spirale der schlimmsten Art: Misstrauen führt zur Isolation, Isolation zu Vorurteilen, Vorurteile zum Hass, Hass zur Gewalt, Gewalt führt zu Leid.
Woher kommt dieser Kreislauf nur ? Sind die Medien daran Schuld, die zu jeder Tageszeit über Tragödien berichten, Raubüberfälle, Mord und Sex ? Wir sind nichts anderes mehr gewohnt: Zuerst Gewalt, dann Werbung, dann Sex, dann wieder Gewalt, usw. Sind vielleicht auch die Eltern Schuld ? Nicht nur die Schule suggeriert dazu Zeitungen zu lesen. Doch was mit der Informationsverarbeitung dieser Artikel über Gewalt und Sex passiert, daran denkt sie nicht. Zeitungen sind oft nicht so objektiv, wie es Eltern und Lehrer denken.
Die Frage muss also lauten: Wie verschaffe ich einem Menschen ein gesundes Bild der Welt und ihren Menschen, ohne seine/ihre spätere Meinung dazu vorher festzulegen bzw. negativ zu prägen ?
Ist es mit dem Glauben nicht auch so eine Sache ? Die einen glauben das, die anderen jenes. Welches der richtige Glauben ist, kann niemand beweisen, nur behaupten. Jede Theorie hat Lücken, deswegen nennt man sie ja auch “Theorie”. Erinnern wir uns an die Ringparabel in Natan der Weise, so kann man sagen, dass jede Religion neben der anderen bestehen kann und sollte, so können wir auf den Konsens kommen, dass jeder Mensch gleich welchen Alters, gleich welcher Bildung, gleich welchen Aussehens neben einem anderen bestehen kann und sollte, da keiner der beiden beweisen kann, besser zu sein, sondern sich darauf beschränken muss, es zu behaupten.
Respekt und Akzeptanz sind die wunden Punkte, die immer wieder zu Konflikten führen. Einige Dinge der einen Kultur gelten in der anderen als anstößig, während dies für die ausführende Kultur als normal gilt. Wäre es dann nicht besser voneinander getrennt zu leben ?
“Nein, wir verlieren dadurch unsere großgeschriebene amerikanische Freiheit dahin zu ziehen und zu reisen, wo wir wollen.” Ja, jeder nimmt sich diese Freiheit. Manchmal ohne Rücksicht auf Verluste. Drei Familien in Oklahoma mussten ausziehen, weil ihre Häuser dort standen, wo ein berühmter Kriminalautor seinen Vorgarten zu seiner Villa haben wollte. Die Stadt ließ nach der Barzahlung die drei Häuser innerhalb von 2 Wochen räumen und niederreißen. Die 3 Familien haben nun ihrerseits die Freiheit hinzuziehen, wo sie wollen. Allerdings wird ihre Freiheit durch ihre finanziellen Mittel beschränkt.
Wie sollen wir uns also künftig verhalten ? Wie sollte unsere Einstellung gegenüber Vorurteilen aussehen ? Wie können wir gewaltlos Verantwortung tragen und Stellung dazu nehmen, was wir für uns selbst vertreten ?
In einer Mediengeprägten Welt wie unserer, ist es uns kaum möglich sich dessen zu entziehen, was uns als Bedürfnis suggeriert wird: “Ja, du brauchst ein neues Auto” oder “Mit diesem Auto kriegst du alles, was du willst.” Viele Versprechungen haben unleserlich Kleingedrucktes dabei. Haben Sie schon mal das Kleingedruckte bei einer typischen Telefonwerbung wie bei O2 gelesen ? “Dieser Tarif gilt aber nur bei…” “Nur gültig in Verbindung mit…” Wir müssen die Augen auflassen, um all diese Dinge nicht zu übersehen, den ganzen Komplex, wie diese Probleme entstehen, seien es Vorurteile oder Missverständnisse, die aus solchem “Kleingedruckten” entstehen. Wir dürfen unsere Lösung nur mit argumentativem nicht mit aggressivem Auftreten suchen, damit eine gemeinsame Lösung unserer ethnischen, kulturellen und sozialen Probleme gefunden werden kann.
Wir müssen auch bereit sein zuzuhören ohne gleich dagegen zu halten oder dafür einzustehen. Hören wir zu, können wir manches anders beurteilen, als es ohne Zuhören zu verurteilen.


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Ein großes Problem in unserer Gesellschaft sind unsere Familien.
Die Wertevermittlung findet nicht mehr zu Hause statt, die Eltern
sind zu sehr mit ihrer finanziellen Lage beschäftigt, sind resigniert und
lustlos, mit ihren Kindern sich auseinander zusetzen, sie können
keine Vorbildfunktion übernehmen.
Die Orientierungslosigkeit mancher Jugendlichen kommt vom Elternhaus.
Wo bleibt das Gefühl der Geborgenheit und LIEBE???????????
Die Kinder sollen dem Staat zur Aufsicht überlassen werden, Ganztags-
betreuung ist der neue Trend.
Das ist keine Perspektive für unseren Nachwuchs.